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Erfahrungen mit ADHS


(typische Erlebensweisen aus Betroffenenperspektive)

ADHS wird von Betroffenen weniger als „Aufmerksamkeitsproblem“ erlebt, sondern als andere Art, Welt, Zeit und sich selbst zu erfahren. Die folgenden Beschreibungen fassen häufig berichtete Erfahrungen zusammen.


Denken und Wahrnehmung

  • Gedanken laufen parallel statt linear

  • Schwierigkeit, Wichtiges von Unwichtigem zu trennen

  • Ständige innere Aktivität, auch ohne äußere Unruhe

  • Hohe Reizoffenheit: Geräusche, Stimmungen, Details drängen sich auf


Viele Betroffene beschreiben ihr Denken als kreativ, schnell, vernetzt, zugleich aber schwer steuerbar.



Zeit und Organisation

  • Zeit wird als unzuverlässig oder „unscharf“ erlebt

  • Aufgaben beginnen impulsiv, bleiben aber oft unvollendet

  • Planung fällt schwer, obwohl der Wunsch nach Struktur groß ist

  • Prokrastination entsteht nicht aus Faulheit, sondern aus Überforderung


Der Alltag wird häufig als chaotisch trotz hoher Anstrengung beschrieben.



Energie und Fokus

  • Wechsel zwischen Erschöpfung und Hyperfokus

  • Bei Interesse extreme Konzentration über Stunden

  • Bei fehlender innerer Motivation kaum Zugriff auf Energie

  • Müdigkeit trotz Aktivität


Dieser Wechsel wird von vielen als unberechenbar und missverstanden erlebt.



Emotionen und Beziehungen

  • Emotionen werden intensiv erlebt, oft ohne Filter

  • Schnelle Begeisterung, aber auch schnelle Frustration

  • Hohe Empathie, gleichzeitig Konflikte durch Impulsivität

  • Häufiges Gefühl, „anders“ oder „zu viel“ zu sein


Viele Erwachsene berichten von jahrelanger Selbstabwertung, bevor ADHS erkannt wurde.



Selbstbild

  • Wechsel zwischen Selbstzweifel und hohem Anspruch

  • Gefühl, ständig hinter den eigenen Möglichkeiten zurückzubleiben

  • Erleichterung und Trauer nach später Diagnose

  • Neubewertung der eigenen Biografie


ADHS wird rückblickend oft als Erklärung, nicht als Entschuldigung erlebt.



Zusammengefasst

ADHS‑Erfahrungen sind geprägt von:

  • hoher innerer Aktivität

  • intensiver Wahrnehmung

  • strukturellen Schwierigkeiten im Alltag

  • gleichzeitig großen kreativen und emotionalen Ressourcen




Nicht das „Zuwenig“, sondern das Zuviel ohne Filter steht im Vordergrund.

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