Erfahrungen mit ADHS
- Klaus-Matthias Veit
- vor 1 Tag
- 1 Min. Lesezeit
(typische Erlebensweisen aus Betroffenenperspektive)
ADHS wird von Betroffenen weniger als „Aufmerksamkeitsproblem“ erlebt, sondern als andere Art, Welt, Zeit und sich selbst zu erfahren. Die folgenden Beschreibungen fassen häufig berichtete Erfahrungen zusammen.
Denken und Wahrnehmung
Gedanken laufen parallel statt linear
Schwierigkeit, Wichtiges von Unwichtigem zu trennen
Ständige innere Aktivität, auch ohne äußere Unruhe
Hohe Reizoffenheit: Geräusche, Stimmungen, Details drängen sich auf
Viele Betroffene beschreiben ihr Denken als kreativ, schnell, vernetzt, zugleich aber schwer steuerbar.
Zeit und Organisation
Zeit wird als unzuverlässig oder „unscharf“ erlebt
Aufgaben beginnen impulsiv, bleiben aber oft unvollendet
Planung fällt schwer, obwohl der Wunsch nach Struktur groß ist
Prokrastination entsteht nicht aus Faulheit, sondern aus Überforderung
Der Alltag wird häufig als chaotisch trotz hoher Anstrengung beschrieben.
Energie und Fokus
Wechsel zwischen Erschöpfung und Hyperfokus
Bei Interesse extreme Konzentration über Stunden
Bei fehlender innerer Motivation kaum Zugriff auf Energie
Müdigkeit trotz Aktivität
Dieser Wechsel wird von vielen als unberechenbar und missverstanden erlebt.
Emotionen und Beziehungen
Emotionen werden intensiv erlebt, oft ohne Filter
Schnelle Begeisterung, aber auch schnelle Frustration
Hohe Empathie, gleichzeitig Konflikte durch Impulsivität
Häufiges Gefühl, „anders“ oder „zu viel“ zu sein
Viele Erwachsene berichten von jahrelanger Selbstabwertung, bevor ADHS erkannt wurde.
Selbstbild
Wechsel zwischen Selbstzweifel und hohem Anspruch
Gefühl, ständig hinter den eigenen Möglichkeiten zurückzubleiben
Erleichterung und Trauer nach später Diagnose
Neubewertung der eigenen Biografie
ADHS wird rückblickend oft als Erklärung, nicht als Entschuldigung erlebt.
Zusammengefasst
ADHS‑Erfahrungen sind geprägt von:
hoher innerer Aktivität
intensiver Wahrnehmung
strukturellen Schwierigkeiten im Alltag
gleichzeitig großen kreativen und emotionalen Ressourcen

Nicht das „Zuwenig“, sondern das Zuviel ohne Filter steht im Vordergrund.


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