... ich bin doch nicht krank!
Das ist ein ganz typischer Gedanke – und ein sehr verständlicher Einwand.
Viele Menschen verbinden Psychotherapie ausschließlich mit „Krankheit“, etwa mit Depressionen, Angststörungen oder anderen diagnostizierten psychischen Erkrankungen. Aber das greift zu kurz.
Psychotherapie ist nicht nur für Menschen gedacht, die „krank“ sind. Sie kann auch ein Raum sein für:
Selbstreflexion und persönliche Entwicklung:
Wer bin ich, was will ich, wie gehe ich mit mir selbst um?
Lebenskrisen und Umbrüche:
Trennung, Verlust, berufliche Neuorientierung – Therapie hilft, Klarheit zu gewinnen.
Beziehungsfragen:
Schwierigkeiten in Partnerschaft, Familie oder Freundschaften lassen sich in Therapie besser verstehen.
Stressbewältigung und Burnout-Prävention:
Therapie kann helfen, frühzeitig gegenzusteuern.
Verhaltensmuster erkennen und verändern:
Warum reagiere ich immer so? Wie kann ich das ändern?
Man muss also nicht „krank“ sein, um von Psychotherapie zu profitieren.
Es geht vielmehr darum, sich selbst besser zu verstehen und neue Wege zu finden, mit Herausforderungen umzugehen.
Denken Sie an den Vergleich mit einem Fitnessstudio:
Niemand sagt, man sei „krank“, nur weil man trainiert. Man will sich stärken – körperlich oder eben psychisch.
Die Bedeutung und der Nutzen der Psychotherapie über Krankheitskonzepte hinaus:
Gründe, Definitionen und Missverständnisse in Deutschland
Psychotherapie ist in Deutschland ein fest etabliertes, jedoch oft missverstandenes Angebot im Gesundheitswesen.
Weit verbreitet ist die Annahme, dass Psychotherapie ausschließlich für Menschen mit schwerwiegenden psychischen Erkrankungen bestimmt sei – etwa für jene, die an Depressionen, Angststörungen oder anderen Diagnosekategorien leiden.
Dieses Bild wird sowohl durch mediale Darstellungen als auch durch Alltagsmythen genährt, was zu Stigmatisierung, Unsicherheit und falschen Erwartungen führt.
Tatsächlich suchen jedoch viele Menschen psychotherapeutische Unterstützung, obwohl sie sich selbst nicht als "krank" empfinden oder antreiben lassen – aus einem Spektrum von Gründen, das von persönlicher Weiterentwicklung über Selbstreflexion bis hin zur Bewältigung normaler Lebenskrisen reicht.
Gesetzliche Regelungen und Abgrenzung
In Deutschland ist der Begriff "Psychotherapie" rechtlich präzise definiert und reglementiert, insbesondere durch das Psychotherapeutengesetz (PsychThG) und die Psychotherapie-Richtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses.
Grundsätzlich dürfen Psychotherapie im heilkundlichen Sinn nur approbierte Psychotherapeuten sowie Ärzte mit entsprechender Zusatzqualifikation anbieten.
Psychologen dürfen nach dem Heilpraktikergesetz ebenfalls bestimmte psychotherapeutische Leistungen durchführen, jedoch ohne dass diese von den gesetzlichen Kassen grundsätzlich erstattet werden.
Psychotherapie wird im Gesetz als "jede mittels wissenschaftlich geprüfter und anerkannter psychotherapeutischer Verfahren oder Methoden berufs- oder geschäftsmäßig vorgenommene Tätigkeit zur Feststellung, Heilung oder Linderung von Störungen mit Krankheitswert, bei denen Psychotherapie indiziert ist" definiert.
Die Definition schließt explizit Tätigkeiten aus, die auf die Bearbeitung und Überwindung sozialer Konflikte, Lebensberatung oder Coaching abzielen, sofern sie nicht der Heilbehandlung dienen.
Wissenschaftlich anerkannte Verfahren, die von der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) übernommen werden, sind:
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Verhaltenstherapie (kognitiv und klassisch)
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Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie
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Analytische Psychotherapie (Psychoanalyse)
Andere Ansätze wie Logotherapie oder Gestalttherapie sind in Deutschland nicht im GKV-Leistungskatalog enthalten - anders als bei vielen Verträgen der privaten Krankenversicherung, die sich hier häufig 'offener' zeigt..
Gründe für die Inanspruchnahme von Psychotherapie ohne „Krankheitsgefühl"
Menschen wenden sich aus überraschend vielfältigen Gründen an Psychotherapeut:innen – und zwar nicht nur im Kontext manifest psychischer Erkrankungen.
Die folgenden Abschnitte und die nachfolgende Tabelle bieten einen strukturierten Überblick über die zentralen Motive und deren Bedeutung.
Die Beweggründe sind nicht strikt voneinander zu trennen, sondern überschneiden sich teilweise und bedingen sich gegenseitig.
Strukturierter Überblick
... weitere Beweggründe für Psychotherapie

