Neurobiologie der Depression
Die biologischen Grundlagen der Depression sind komplex und vielschichtig.
Sie betreffen vor allem die neurobiologischen Prozesse im Gehirn, die Stressverarbeitung, genetische Faktoren und die Regulation von Botenstoffen.
Hier ein strukturierter Überblick:
1. Neurotransmitter und synaptische Kommunikation
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Serotonin, Noradrenalin und Dopamin sind zentrale Botenstoffe, die Stimmung, Antrieb und emotionale Regulation beeinflussen.
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Bei Depressionen kommt es häufig zu Ungleichgewichten in diesen Systemen, insbesondere im Serotoninsystem, das durch viele Antidepressiva beeinflusst wird.
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Die Vorstellung eines „Serotoninmangels“ ist jedoch zu vereinfacht – es geht um komplexe Störungen in der Reizweiterleitung und Rezeptoraktivierung.
2. Stresssystem und Cortisol
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Chronischer Stress aktiviert das Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-System (HPA-Achse).
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Dies führt zu einer erhöhten Cortisolausschüttung, die langfristig die Hirnstruktur und -funktion beeinträchtigen kann (z. B. Hippocampus-Volumen).
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Toxischer Stress kann das Gehirn „übersensibilisieren“ und depressive Symptome begünstigen.
3. Genetik und Vererbung
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Genetische Faktoren beeinflussen die Anfälligkeit für Depressionen, etwa durch Varianten in Genen, die für Neurotransmitter oder deren Rezeptoren codieren.
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Familiäre Häufungen sind häufig, aber nicht deterministisch – Umweltfaktoren spielen eine große Rolle.
4. Neue Systeme: Glutamat und GABA
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Das glutamaterge System (Erregung) und das GABAerge System (Hemmung) rücken zunehmend in den Fokus.
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Neue Therapien wie Esketamin oder Brexanolon zielen auf diese Systeme und zeigen Wirkung bei therapieresistenter Depression.
Fazit:
Keine einfache Ursache – sondern ein Zusammenspiel.
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Depression ist keine „Störung eines einzelnen Stoffes“, sondern ein dynamisches Ungleichgewicht in mehreren biologischen Systemen,
beeinflusst durch Stress, Genetik, Neurochemie und Umwelt.
