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Störungsbilder

Depression

Eine Depression ist eine reale, behandelbare psychische Erkrankung, bei der anhaltende Traurigkeit oder wenig Freude über mindestens zwei Wochen hinweg den Alltag stark beeinflusst. Dazu kommen oft körperliche und psychische Begleitzeichen.

Zentrale Merkmale (DSM-5/ICD-11):

  • Depressive Stimmung fast den ganzen Tag, fast jeden Tag.

  • Interessensverlust oder Verlust von Freude an Aktivitäten (Antriebslosigkeit).

  • Mindestens fünf der folgenden Symptome, die über mindestens zwei Wochen auftreten (einschließlich Stimmung oder Interesse):

    • Signifikante Gewichts- oder Appetitveränderung

    • Schlafstörungen (Schlaflosigkeit oder vermehrtes Schlafbedürfnis)

    • Bewegungs- oder Sprachverlangsamung (oder Ungeschicklichkeit)

    • Müdigkeit oder Energieverlust

    • Gefühl von Wertlosigkeit oder übermäßige/unangemessene Schuldgefühle

    • Konzentrations- oder Entscheidungsprobleme

    • Wiederkehrende Gedankengänge an Tod oder Selbstmord/Suizidgedanken

    • Deutliche Beeinträchtigung in Beruf, Schule, sozialen Beziehungen oder anderen Lebensbereichen.

    • Nicht auf Substanzen oder andere Krankheiten zurückzuführen.

Verdacht auf Depression

Verdacht auf Depression

Depression

Depression

Ursachen der Depression

Depressionen entstehen nicht aus einem Grund. Sie entwickeln sich meist aus dem Zusammenwirken mehrerer Faktoren, die sich gegenseitig verstärken können.

 

Fachlich spricht man von einem biopsychosozialen Modell.

Biologische Faktoren

  • Genetische Veranlagung: Depressionen treten familiär gehäuft auf

  • Neurobiologische Veränderungen: Ungleichgewichte von Botenstoffen wie Serotonin, Noradrenalin oder Dopamin

  • Hormonelle Einflüsse: z. B. Schilddrüsenerkrankungen, hormonelle Umstellungen

  • Körperliche Erkrankungen oder chronische Schmerzen

Psychische Faktoren

  • Belastende Lebensereignisse wie Verlust, Trennung, Krankheit oder Trauma

  • Dauerstress und Überforderung

  • Innere Konflikte, ungelöste Beziehungsthemen

  • Negative Denkmuster: Selbstabwertung, Grübeln, Hoffnungslosigkeit

  • Geringe emotionale Selbstregulation oder fehlende Bewältigungsstrategien

Soziale Faktoren

  • Soziale Isolation oder Einsamkeit

  • Konflikte in Familie, Partnerschaft oder Beruf

  • Arbeitslosigkeit, prekäre Lebensbedingungen

  • Fehlende Anerkennung, Sinn- oder Rollenverlust

Wechselwirkungen

Diese Faktoren wirken selten isoliert:

  • Eine genetische Vulnerabilität kann durch Stress aktiviert werden

  • Soziale Belastungen beeinflussen psychische Stabilität

  • Psychische Erschöpfung wirkt sich auf den Körper aus – und umgekehrt

Depression ist keine persönliche Schwäche und kein Zeichen mangelnder Willenskraft. Sie ist eine ernsthafte, behandelbare Erkrankung, deren Ursachen komplex und individuell verschieden sind.

akzentuierte Perspektiven auf die Depression

Aus systemischer und arbeitspsychologischer Perspektive wird Depression nicht primär als individuelles Defizit verstanden, sondern als sinnvolle Reaktion eines Menschen auf dysfunktionale Beziehungs‑, Rollen‑ und Arbeitskontexte.

 

Symptome erscheinen dabei als Ausdruck eines Systems, das aus dem Gleichgewicht geraten ist.

Systemische Perspektive

  • Depression entsteht häufig im Kontext chronischer Beziehungsspannungen, unausgesprochener Loyalitätskonflikte oder widersprüchlicher Erwartungen

  • Betroffene übernehmen oft überfordernde Rollen (z. B. Verantwortungsträger:in, Vermittler:in, emotionale Stütze), ohne ausreichende Rückkopplung oder Entlastung

  • Symptome können eine kommunikative Funktion erfüllen: Rückzug, Erschöpfung oder Antriebslosigkeit markieren Grenzen, wo Sprache oder Handlungsmöglichkeiten fehlen

  • Familiäre oder organisationale Muster wie Überanpassung, Schweigen, Perfektionismus oder Schuldzuschreibungen stabilisieren depressive Dynamiken

Arbeitspsychologische Perspektive

  • Anhaltende Diskrepanz zwischen Anforderungen und verfügbaren Ressourcen

  • Fehlende Handlungsspielräume, geringe Autonomie und mangelnde Einflussmöglichkeiten

  • Rollenkonflikte und unklare Zuständigkeiten

  • Dauerhafte Entwertung von Erfahrung, insbesondere bei älteren oder hochqualifizierten Mitarbeitenden

  • Verlust von Sinn, Anerkennung und Wirksamkeit im Arbeitskontext

  • Chronische Überlastung ohne realistische Erholungsphasen

Dynamik

Depressive Symptome entstehen häufig dort, wo Anpassungsleistungen langfristig höher sind als die Möglichkeit zur Selbstregulation.
 
Der Mensch „funktioniert“ weiter, während emotionale, körperliche und soziale Bedürfnisse systematisch übergangen werden.
 
Depression erscheint dann als Notbremse eines überforderten Systems.

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